Entzündung und Schmerzen bekämpfen
Rheumatoide Arthritis ist – bis jetzt – eine unheilbare Erkrankung. Um trotzdem die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten, ist für die Patienten eine verträgliche und wirksame Therapie wichtig. Gewährleistet wird sie durch eine Kombination aus Medikamenten, Krankengymnastik und psychologischer Betreuung. Dabei nehmen die Medikamente eine besondere Stellung ein, da sie zum einen die Symptome lindern, zum anderen das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können.Im Überblick
Die Art der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Stadium oder die momentane Aktivität der rheumatoiden Arthritis ab. Patienten mit rheumatoider Arthritis sollten deshalb in einem
Rheumazentrum behandelt werden.
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Medikamentöse Behandlung
Eine Heilung der rheumatoiden Arthritis ist nicht möglich. Daher ist die medikamentöse Therapie darauf ausgerichtet,
- Schmerzen zu stillen
- die Entzündung zu hemmen
- den Krankheitsverlauf zu verlangsamen
- die Beweglichkeit für die notwendige Gymnastik herzustellen und
- die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Die regelmäßige Einnahme der Medikamente ist wichtigDa die rheumatoide Arthritis eine chronische Krankheit ist, müssen die Medikamente langfristig und zuverlässig eingenommen werden. Um den Betroffenen die Einnahme zu erleichtern, gibt es die Medikamente als Säfte, Tabletten, Retardkapseln (aus denen der Wirkstoff verzögert freigesetzt wird) oder als Zäpfchen. Einige Medikamente müssen gespritzt werden, entweder in den Muskel, in die Vene oder auch direkt in das Gelenk. Die standardmäßig eingesetzten Medikamente gehören zu verschiedenen Substanzklassen und haben unterschiedliche Wirkprinzipien.
Man unterscheidet folgende Gruppen:
Eine neue Gruppe sind die zu den
Basistherapeutika gehörenden
Biologicals, die die mit der Erkrankung einhergehende Entzündung und Zerstörung der Gelenke verhindern sollen.
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Basistherapie: Symptome lindern und die Krankheit aufhalten
Basistherapeutika sind Medikamente, die direkt den Verlauf der rheumatoiden Arthritis beeinflussen, indem sie den Entzündungsprozess verlangsamen. Sie behandeln mehr als die Symptome, denn sie können das Fortschreiten der Krankheit und vor allem die Gelenkzerstörung verlangsamen oder sogar umkehren. Sie können aber die Ursache der Erkrankung nicht bekämpfen und somit die Krankheit auch nicht heilen.
Da sie die Krankheit modifizieren, d.h. verändern können, werden sie im Englischen auch
DMARDs (für Disease Modifying Antirheumatic Drugs) genannt. Wegen ihrer Wirkdauer heißen sie auch LAR oder LWAR (für Langwirksame
Antirheumatika).
Die Therapie muss frühzeitig beginnenWichtig ist ein frühzeitiger Therapiebeginn, denn die rheumatoide Arthritis lässt sich im Anfangsstadium am besten beeinflussen. Spätere Funktionseinschränkungen können so vermieden werden. Allen Basistherapeutika ist gemein, dass die Wirkung erst nach einiger Zeit (mehrere Wochen bis Monate) einsetzt. Daher werden sie regelmäßig mit schmerzlindernden Medikamenten kombiniert. Eine Basistherapie ist immer eine Langzeittherapie. Sie kann lebenslang notwendig sein. Sie sollte so lange durchgeführt werden, wie der Patient eine positive Wirkung an sich beobachten kann. Schwerwiegende Nebenwirkungen können allerdings zum Abbruch der Therapie führen. Die verschiedenen Nebenwirkungen sind bei den einzelnen Medikamenten aufgeführt. Frauen im gebärfähigen Alter müssen bei einer Basistherapie immer auf eine Schwangerschaftsverhütung achten, denn ein Kind könnte durch die Medikamente geschädigt werden.
Zu den Basistherapeutika (DMARDs) zählen:
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Antimalariamittel
Antimalariamittel gehören zu den
Basistherapeutika bei der rheumatoiden Arthritis. Bevor ihre Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen zufällig festgestellt wurde, wurden sie für die Behandlung und Vorbeugung der Tropenkrankheit Malaria eingesetzt – daher der Name.
Zur Anwendung kommen die Wirkstoffe Chloroquin und Hydrochloroquin. Beide gibt es nur als Tabletten.
WirkungsweiseDie Wirkungsweise bei rheumatischen Erkrankungen ist nicht völlig geklärt. Vermutlich verhindern Antimalariamittel wesentliche Schritte der Entzündungsreaktion.
BehandlungsdauerAntimalariamittel werden als Dauertherapie gegen die rheumatoide Arthritis eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist erst nach drei bis sechs Monaten zu rechnen. Wenn sie nach sechs Monaten keine Wirkung zeigen, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenDie Nebenwirkungen einer Basistherapie mit Antimalariamitteln sind zumeist harmlos. Sie bestehen in Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder verstärkter Müdigkeit. Problematischer sind Nebenwirkungen am Auge, vor allem Netzhautveränderungen. Daher muss vor Beginn und alle sechs Monate während der Therapie eine augenärztliche Kontrolle durchgeführt werden. Wegen möglicher Blutbildveränderungen sollte auch das Blut alle zwei Monate überprüft werden, zu Beginn der Therapie sogar alle zwei Wochen.
Kontraindikationen und WechselwirkungenDie wichtigsten Gegenanzeigen für Antimalariamittel sind bestehende Augenerkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit. Das Risiko für Nebenwirkungen erhöht sich durch Alkoholgenuss. Da Antimalariamittel die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen können, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt immer über alle Medikamente informieren, die Sie einnehmen.
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Immunsuppressiva
Immunsuppressiva gehören zu den
Basistherapeutika bei der rheumatoiden Arthritis.
Zu den Immunsuppressiva zählen die Medikamente:
- Azathioprin
- Ciclosporin
- Cyclophosphamid
In der Therapie gegen die rheumatoide Arthritis werden diese Medikamente nur in Tablettenform eingesetzt.
WirkungsweiseImmunsuppressiva wirken dadurch, dass sie das
Immunsystem schwächen, das sich bei der rheumatoiden Arthritis irrtümlich gegen den eigenen Körper richtet.
BehandlungsdauerImmunsuppressiva werden als Dauertherapie eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist erst nach drei bis sechs Monaten zu rechnen. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenHäufige Nebenwirkungen einer Basistherapie mit
Immunsuppressiva sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Problematischer sind Nebenwirkungen, die Nieren, Leber oder das blutbildende System betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher zunächst alle ein bis zwei Wochen, ab dem dritten Monat alle vier Wochen Blut und Urin. Außerdem sind die Patienten anfälliger für Infektionen. Darüber hinaus können
Bluthochdruck und Zuckerkrankheit
(Diabetes mellitus) unter der Therapie auftreten. Die meisten Nebenwirkungen lassen nach dem Absetzen des Medikaments wieder nach.
Kontraindikationen und WechselwirkungenFrauen, die
Immunsuppressiva einnehmen, sollten nicht schwanger werden, da die Medikamente das ungeborene Kind schädigen könnten. Dies gilt auch für Partnerinnen eines mit
Immunsuppressiva behandelten Patienten. Während einer Behandlung mit Ciclosporin dürfen keine Impfungen durchgeführt werden. Nach Absetzen von Azathioprin kann es zu einem erneuten Krankheitsschub kommen.
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Penicillamin
Penicillamin gehört zu den
Basistherapeutika gegen die rheumatoide Arthritis. Das Medikament wird auch zur Behandlung von Schwermetallvergiftungen angewendet.
Der Wirkstoff wird als Tablette gegeben. Die Dosis wird langsam gesteigert ("Einschleichen"), bis die gewünschte Menge erreicht ist. Die Tabletten müssen 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen werden.
WirkungsweiseDer genaue Wirkmechanismus von Penicillamin ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass die Wirkung auf einer Beeinflussung der körpereigenen Abwehr beruht.
BehandlungsdauerPenicillamin wird als Dauertherapie eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist erst nach drei bis sechs Monaten zu rechnen. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden. Gelegentlich wird eine Dosissteigerung nötig.
NebenwirkungenHäufig können Übelkeit, Geschmacksstörungen und Entzündungen an Haut und Schleimhäuten auftreten. Problematischer sind Nebenwirkungen, die Nieren, Leber oder das blutbildende System betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher zunächst alle ein bis zwei Wochen, ab dem dritten Monat alle vier Wochen Blut und Urin.
Kontraindikationen und WechselwirkungenPenicillamin darf während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingesetzt werden. Auch bei Knochenmarksschäden, Nieren- und Leberschäden und bestimmten Bindegewebserkrankungen sollte das Medikament nicht gegeben werden.
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Goldverbindungen
Goldverbindungen gehören zu den
Basistherapeutika gegen die rheumatoide Arthritis. Gold kann als Injektion in den Gesäßmuskel oder in Tablettenform verabreicht werden. Die Tabletten werden zweimal täglich eingenommen. Bei der Behandlung mit Spritzen wird mit einer Testdosis die Verträglichkeit geprüft. Darauf folgt die sogenannte "Sättigungsphase", in der wöchentlich ein- bis zweimal zunehmend höhere Mengen Gold gespritzt werden. In der darauffolgenden Erhaltungstherapie muss Gold nur noch alle zwei bis vier Wochen gespritzt werden.
WirkungsweiseGoldverbindungen wirken auf das
Immunsystem. Hier verhindern sie z.B. die Ausschüttung von Botenstoffen aus Entzündungszellen. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt.
BehandlungsdauerGoldverbindungen werden als Dauertherapie eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist erst nach drei bis sechs Monaten zu rechnen. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie abgebrochen werden.
NebenwirkungenHäufig treten während der Therapie Durchfälle, Juckreiz und Hautausschläge auf. Problematischer, aber zum Glück seltener, sind Nebenwirkungen, die Leber, Niere oder das blutbildende System, und hier vor allem die Blutplättchenbildung betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher zunächst alle ein bis zwei, ab dem vierten Monat alle vier Wochen Blut und Urin.
Kontraindikationen und WechselwirkungenGoldverbindungen dürfen während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingesetzt werden. Auch bei Störungen der Blutbildung, Nieren- und Leberschäden, bestimmten Allergien und Bindegewebskrankheiten sollte das Medikament nicht gegeben werden.
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Leflunomid
Leflunomid gehört zu den
Basistherapeutika gegen die rheumatoide Arthritis. Das Medikament wird in Tablettenform verabreicht.
WirkungsweiseLeflunomid hemmt Entzündungszellen (aktivierte Lymphozyten) und verlangsamt die Wucherung der Gelenkinnenhaut. Hierdurch wird das Fortschreiten der Krankheit verzögert.
BehandlungsdauerLeflunomid wird als Dauertherapie eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist nach vier bis sechs Wochen zu rechnen. Wenn nach vier Monaten keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenHäufige Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Haarausfall und Hautrötungen. Problematischer sind Nebenwirkungen, die die Leber oder das blutbildende System betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher zunächst alle zwei, ab dem sechsten Monat alle vier bis acht Wochen die Blutwerte.
Kontraindikationen und WechselwirkungenWährend einer Schwangerschaft und in der Stillzeit darf das Medikament nicht gegeben werden. Auch Männer sollten unter der Behandlung zuverlässig verhüten. Patienten mit schweren Immundefekten sollten nicht mit Leflunomid behandelt werden. Die gleichzeitige Einnahme von Aktivkohle (z.B. um den als Nebenwirkung auftretenden Durchfall zu behandeln!) kann die Wirkung des Medikaments beeinträchtigen. Auf eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte verzichtet werden. Alkohol sollte während der Behandlung vermieden werden.
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Methotrexat
Methotrexat gehört zu den
Basistherapeutika bei der rheumatoiden Arthritis. Es gilt als eines der wirksamsten Arzneimittel bei der Gelenkentzündung. Das Medikament wird nur einmal wöchentlich gegeben, entweder als Tabletten oder als Spritze. Spritzen werden häufig besser vertragen als Tabletten. Methotrexat wird – in höheren Dosierungen – auch in der Krebsbehandlung eingesetzt.
WirkungsweiseMethotrexat hemmt Entzündungszellen (aktivierte Lymphozyten) und verlangsamt die Wucherung der Gelenkinnenhaut. Hierdurch wird das Fortschreiten der Krankheit verzögert.
BehandlungsdauerMethotrexat wird als Dauertherapie gegen die rheumatoide Arthritis eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist nach vier bis acht Wochen zu rechnen. Wenn nach vier Monaten trotz Dosissteigerung keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenHäufige Nebenwirkungen sind Entzündungen der Mundschleimhaut, Haarausfall, Übelkeit und Magenschmerzen. Problematischer sind Nebenwirkungen, die Niere, Leber oder die Blutbildung betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher im ersten Monat der Therapie wöchentlich, im zweiten und dritten Monat alle zwei Wochen und ab dem vierten Monat alle vier Wochen die Blutwerte.
Kontraindikationen und WechselwirkungenWährend einer Therapie mit Methotrexat und bis drei Monate nach Absetzen des Medikaments darf es nicht zu einer Schwangerschaft kommen. Auch Männer sollten ausreichend verhüten, wenn sie mit Methotrexat behandelt werden. Während der Stillzeit darf Methotrexat ebenfalls nicht genommen werden. Darüber hinaus sollte das Medikament bei einer Vielzahl schwerer Erkrankungen nicht gegeben werden. Patienten, die mit Methotrexat behandelt werden, sollten keinen Alkohol trinken und sich nur nach Rücksprache mit dem Arzt impfen lassen. Die Einnahme von Methotrexat kann die Wirkung anderer Medikamente verstärken oder abschwächen. Vor einer Operation ist eine Therapieunterbrechung – in Absprache mit dem behandelnden Rheumatologen – nicht unbedingt notwendig.
Nach dem Absetzen von Methotrexat kann es zu einem erneuten Krankheitsschub kommen.
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Sulfasalazin
Sulfasalazin gehört zu den
Basistherapeutika bei rheumatoider Arthritis. Es wird neben der Behandlung der Gelenkentzündung auch zur Therapie chronisch entzündlicher Darmkrankheiten eingesetzt. Der Wirkstoff wird als Tablette gegeben. Die Dosis wird langsam gesteigert ("Einschleichen"), bis die gewünschte Menge erreicht ist.
WirkungsweiseDer genaue Wirkmechanismus von Sulfasalazin ist nicht bekannt. Es beeinflusst die Produktion von
Immunglobulinen (Antikörper, Abwehrstoffe des
Immunsystems).
BehandlungsdauerSulfasalazin wird als Dauertherapie gegen die rheumatoide Arthritis eingesetzt. Mit einem Wirkungseintritt ist nach vier bis zwölf Wochen zu rechnen. Wenn nach sechs Monaten trotz Dosissteigerung keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenNebenwirkungen treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf. Häufigere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindelgefühl. Männer können vorübergehend unfruchtbar sein. Problematischer sind Nebenwirkungen, die Niere, Leber oder die Blutbildung betreffen. Der behandelnde Arzt kontrolliert daher in den ersten drei Monaten der Therapie alle zwei Wochen, im vierten bis sechsten Monat alle vier Wochen und danach alle drei Monate die Blut- und Urinwerte.
Kontraindikationen und WechselwirkungenWährend einer Behandlung mit Sulfasalazin sollten Frauen nicht schwanger werden. Eine Weiterbehandlung bei Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte mit dem Arzt besprochen werden. Starke Sonnenbestrahlung sollte vermieden werden.
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Biologische Medikamente (Biologicals)
Biologicals gehören zu den
Basistherapeutika bei der rheumatoiden Arthritis. Zu dieser Gruppe zählen die Medikamente:
- Anakinra
- Etanercept
- Infliximab und
- Adalimumab.
Anakinra wird einmal täglich unter die Haut gespritzt, Etanercept zweimal wöchentlich, Adalimumab alle zwei Wochen, während Infliximab alle sechs bis acht Wochen als ca. zweistündige Infusion in die Vene gegeben wird. Anakinra, Infliximab und Adalimumab werden in Kombination mit
Methotrexat angewandt.
Wirkungsweise
Biologicals wirken, indem sie wichtige Entzündungsbotenstoffe hemmen und somit die Gelenkzerstörung, die mit der Entzündung verbunden ist, mindern. Sie wirken auf den Entstehungsprozess der Erkrankung ein. Anakinra wirkt auf einen bestimmten Botenstoff, der
Interleukin-1 (IL-1) genannt wird, Etanercept und Infliximab beeinflussen den
Tumornekrosefaktor (TNF) Alpha. Sie werden auch TNF-Blocker genannt.
BehandlungsdauerBiologicals werden als Dauertherapie gegen die rheumatoide Arthritis eingesetzt. Anders als bei den restlichen Basistherapeutika wirken sie aber schon nach ein bis drei Wochen. Wenn nach acht bis 16 Wochen keine Besserung eingetreten ist, sollte die Therapie überprüft werden.
NebenwirkungenDa die Behandlung mit
Biologicals vergleichsweise neu ist, ist weniger über Nebenwirkungen bekannt als bei anderen
Basistherapeutika. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautreaktionen an der Injektionsstelle. Weitere Nebenwirkungen hängen vom jeweiligen Medikament ab, sind aber seltener. Für eine ausführliche Darstellung wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.
Neben regelmäßigen körperlichen Untersuchungen bei allen
Biologicals sollte bei Anakinra und Etanercept das Blut kontrolliert werden.
Kontraindikationen und WechselwirkungenBiologicals dürfen während bestehender Infektionskrankheiten und Bindegewebserkrankungen nicht eingesetzt werden. Sowohl Frauen als auch Männer, die mit
Biologicals behandelt werden, sollten sorgfältig eine Schwangerschaft verhüten. Auch Stillen ist kontraindiziert.
Auf Impfungen mit Lebendimpfstoffen sollte bei einer Therapie mit
Biologicals verzichtet werden. Nach Abbruch der Therapie kann es zu einem erneuten Krankheitsschub kommen.
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Nichtsteroidale Antirheumatika: kortisonfreie entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente
In der Therapie der rheumatoiden Arthritis werden zwei Gruppen von Schmerzmedikamenten eingesetzt: reine
Schmerzmittel und die
nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), die neben der Schmerzlinderung auch noch die Entzündung hemmen können. Nichtsteroidal bedeutet, dass die Präparate kein
Kortison enthalten. Im Gegensatz zu den
Basismedikamenten lindern sie nur die Symptome der rheumatoiden Arthritis und nehmen keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
NSAR gibt es in Form von Kapseln, Tabletten, Salben, Cremes, Gels, Zäpfchen und Spritzen, die – in Abhängigkeit von dem Medikament, das sie enthalten – unterschiedlich häufig angewendet werden müssen.
WirkungsweiseNSAR hemmen ein spezielles
Enzym, das die Entstehung der
Prostaglandine fördert. Prostaglandine sind Stoffe, die sowohl Schmerzen als auch Entzündungen vermitteln.
BehandlungsdauerNSAR können gegen die rheumatoide Arthritis kurz- und langfristig eingesetzt werden, auch in Kombination mit anderen Medikamenten.
NebenwirkungenWeil
Prostaglandine an vielen Mechanismen im Körper beteiligt sind, kann es durch die Hemmung ihrer Entstehung zu einer Vielzahl von Nebenwirkungen kommen. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Beschwerden in Magen und Darm, etwa Magengeschwüre. Auch Asthma kann negativ beeinflusst werden. Durch eine Hemmung der Blutplättchenbildung wird außerdem die Blutgerinnung verlangsamt. Blut-, Leber- und Nierenwerte sollten regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.
Kontraindikationen und WechselwirkungenNSAR sollten bei Magengeschwüren und Blutbildungsstörungen und in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. In der frühen Schwangerschaft und Stillzeit sollten sie nur nach Rücksprache mit dem Arzt genommen werden.
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Kortisonpräparate beeinflussen das Immunsystem
Kortison ist ein körpereigenes
Hormon, das in der Nebenniere produziert wird. Oft wird
Kortison als Sammelbegriff für eine ganze Medikamentengruppe, nämlich die
Glukokortikoide, verwendet. Diese Medikamente lindern die Symptome und hemmen die Entzündung. Sie werden eingesetzt, wenn alle anderen Medikamente die rheumatoide Arthritis nicht ausreichend stoppen. Da sie sehr schnell wirken, können sie gut kurzfristig bei Krankheitsschüben verwendet werden. Mit Kortisonpräparaten wird auch der Zeitraum überbrückt, in dem
Basistherapeutika noch nicht wirken.
Kortisonpräparate gibt es in Tablettenform. Der Wirkstoff kann aber auch in die Vene, den Muskel oder sogar in das Gelenk gespritzt werden.
WirkungsweiseKortison beeinflusst die Immunabwehr und hemmt die körpereigene Abwehr, die sich bei der rheumatoiden Arthritis irrtümlich gegen den eigenen Körper richtet.
BehandlungsdauerWegen der möglichen Nebenwirkungen sollte
Kortison – in Absprache mit dem Rheumatologen – nur vorübergehend eingesetzt werden.
NebenwirkungenDie Nebenwirkungen sind dosisabhängig. Kurzfristig sind auch deutlich höhere Dosen problemlos verträglich. Bei längerer Anwendung kann es zu Hautveränderungen, Wassereinlagerungen, Magengeschwüren oder Knochenentkalkung kommen. Außerdem ist die Infektionsgefahr erhöht.
Kortison kann den Appetit steigern und damit zu einer Gewichtszunahme führen. Bei bestehender Neigung kann eine Zuckerkrankheit auftreten.
Kontraindikationen und WechselwirkungenDie Kontraindikationen ergeben sich aus den Nebenwirkungen, d.h. wenn Krankheiten, die als Nebenwirkungen auftreten können, bereits bestehen, sollte kein
Kortison genommen werden. Gleiches gilt für schwere Infektionskrankheiten.
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Schmerzmittel (Analgetika)
In der Therapie der rheumatoiden Arthritis werden zwei Gruppen von Schmerzmedikamenten eingesetzt: die
nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und reine Schmerzmittel. Letztere – auch
Analgetika genannt – werden vom Arzt verordnet, wenn die Schmerzbehandlung mit NSAR nicht ausreicht. Selten werden auch opiathaltige Schmerzmittel gegeben.
Analgetika gibt es als Kapseln, Tabletten, Tropfen, Spritzen und langwirksame Pflaster, die – in Abhängigkeit von dem Medikament, das sie enthalten – unterschiedlich häufig angewendet werden müssen. Man unterscheidet Monopräparate, also Medikamente mit nur einem Wirkstoff, und Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen. Zunächst sollten Monopräparate verordnet werden, denn bei ihnen sind Wirkungen und Nebenwirkungen besser abzuschätzen. In Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt können auch Kombinationspräparate genommen werden.
WirkungsweiseZu den
Analgetika gehören verschiedene Substanzen mit verschiedenen Wirkungsweisen. Unterschieden werden im Wesentlichen peripher wirkende
Analgetika, die den Schmerz am "Ort des Geschehens" beeinflussen und zentral wirksame Schmerzmittel, die die Schmerzwahrnehmung im Rückenmark und im Gehirn verändern.
BehandlungsdauerAnalgetika können kurz- und langfristig in der Therapie gegen die rheumatoide Arthritis eingesetzt werden, auch in Kombination mit anderen Rheumamedikamenten.
Nebenwirkungen, Kontraindikationen und WechselwirkungenNebenwirkungen hängen vom jeweiligen Präparat ab. Opioidhaltige Schmerzmittel können zu Übelkeit und Verstopfung führen. Sie sollten während der Schwangerschaft, vor allem unter der Geburt und in der Stillzeit nicht gegeben werden.
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Physiotherapie und Ergotherapie
Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis sollte stets auf einen ganzheitlichen Therapieansatz basieren, der sowohl die individuellen medizinischen wie auch die psychosozialen Probleme des Patienten berücksichtigt. Dementsprechend sollte die
medikamentöse Therapie immer durch Physiotherapie und Ergotherapie unterstützt werden. Die eingesetzten Verfahren unterscheiden sich von Patient zu Patient, da je nach erkranktem Gelenk und Krankheitsschwere verschiedene Übungen oder Therapien sinnvoll sind.
KrankengymnastikDurch Krankengymnastik wird die Funktionsfähigkeit des Körpers günstig beeinflusst. Schmerzen können gelindert werden, Kraft und Ausdauer der Muskulatur werden gefördert und die Beweglichkeit erhöht. Gleichzeitig kann die Krankengymnastik Bewegungseinschränkungen verhindern. Es gibt aktive und passive Übungen im Bewegungsbad oder im Trockenen. Wenn die Gelenke der Beine betroffen sind, kann eine Gangschulung helfen. Die manuelle Therapie ist eine spezielle Form der Krankengymnastik, die mit Hilfe unterschiedlicher Grifftechniken die Gelenke mobilisiert. Soll Krankengymnastik erfolgreich sein, muss der Patient regelmäßig mitarbeiten.
Thermo-, Elektrotherapie und MassagenGenerell werden Wärme- und Kältebehandlungen als hilfreich empfunden, wobei die Faustregel lautet: Je chronischer die Krankheit, desto länger und wärmer die Behandlung, bei akut entzündeten Gelenken wirkt Kälte besonders gut. Elektrotherapie, also die Behandlung mit Strom, wird zur Schmerzbekämpfung und Tiefenerwärmung eingesetzt. Massagen lockern verspannte Muskulatur. Sie können durch Packungen (z.B. Fango) unterstützt werden.
ErgotherapieIm Rahmen der Ergotherapie (auch Arbeitstherapie genannt) trainiert der Patient den Umgang mit der Krankheit im (Arbeits-)Alltag und erhält Informationen zum Gelenkschutz. Auch Gelenkschienen, die Gelenke stützen und Schmerzen verringern sollen, werden vom Ergotherapeuten hergestellt.
SchuhversorgungInsbesondere bei Erkrankung der Fußgelenke sollte der Patient komfortable, stabile Schuhe haben. Einlagen können Fehlstellungen korrigieren und Schmerzen lindern. Bei schweren Deformitäten der Füße kann die Versorgung mit orthopädischen Schuhen notwendig werden.
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Operationen: Die rheumatoide Arthritis kann auch ein Fall für den Chirurgen werden
Manchen Patienten mit rheumatoider Arthritis kann eine Operation helfen. Die Entscheidung darüber, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Gelenk eine bestimmte Operation durchgeführt werden sollte, muss der Patient gemeinsam mit dem behandelnden Arzt treffen. Durch die Operation sollen die Schmerzen, die durch das zerstörte Gelenk entstehen, gelindert und die Beweglichkeit gefördert werden. Hierfür stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl:
Entfernung der Gelenkinnenhaut (Synovektomie oder Synovialektomie)Diese Operation kann bereits im frühen Krankheitsstadium vorgenommen werden, um einer stärkeren Gelenkzerstörung vorzubeugen. Sie ist aber auch im Spätstadium noch möglich, um die Beweglichkeit zu erhöhen und Schmerzen zu lindern.
Synovektomien werden häufig arthroskopisch (durch Gelenkspiegelung) durchgeführt.
Gelenkersatz (Endoprothese)Hat die rheumatoide Arthritis ein Gelenk weitgehend zerstört, bietet sich eine Gelenksersatzoperation an. Das Gelenk kann entweder vollständig (Totalendoprothese) oder teilweise (Teilendoprothese) ersetzt werden. Eine Gelenkersatzoperation ist an Hüfte, Knie, Fingern, Ellenbogen, Hand und Fuß möglich. Bereits vor der Operation müssen die Muskeln rund um das Gelenk trainiert werden, um ein möglichst gutes Behandlungsergebnis zu erreichen. Beim heutigen Stand des medizinischen Wissens halten künstliche Gelenke etwa zehn Jahre.
Versteifung (Arthrodese)Bei einigen Patienten bietet sich statt der Gelenksersatzoperation eine Versteifung des befallenen Gelenks an. Da der Schmerz durch die Bewegung des Gelenks entsteht, sind diese Patienten nach der Operation schmerzfrei. Allerdings kann man Arthrodesen nur dann durchführen, wenn die benachbarten Gelenke voll beweglich sind.
Entfernung von Gelenkteilen (Resektion)Bei einigen Gelenken reicht es, das zerstörte Gelenk zu entfernen, ohne eine Prothese einzusetzen. Dies ist z.B. bei den Zehengrundgelenken möglich.
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